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Letzter Brief der Vorsitzenden :
Oktober 2012
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33 KO

Liebe Mitglieder, liebe Paten und Patinnen, liebe Sympathisanten

Ich hoffe dass ihr alle angenehme und unbeschwerte Sommertage verbracht habt. Nun bestimmen wieder ernstere Angelegenheiten den Alltag und für mich wird es Zeit euch über die letzten Nachrichten aus Niger zu informieren.

Die Lage im SAHEL

Die Situation ist sehr besorgniserregend in Mali. Es konnte keine politische Lösung gefunden werden um die Islamisten aus dem Norden des Landes zu vertreiben, und das Land wieder zu vereinigen. Nun scheint die UNO grünes Licht für den Einsatz von Truppen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, darunter Niger, gegeben zu haben. Viele Malier sind damit allerdings nicht einverstanden. In dem von dieser Krise direkt betroffenen Nachbarland Niger befürchten die Einwohner dass dieser Einsatz ihr Land in einen Krieg mitreißen wird, der die ganze Sahelzone entflammen könnte.

NIGER

Die Regenzeit hatte sehr schlecht begonnen, aber schlussendlich hat sie doch noch die Hoffnungen die nach dem schlechten Ergebnis von 2011 in sie gesetzt wurden, erfüllt. Nach der großen Dürre kam der große Regen, der leider sintflutartig viele Gegenden heimsuchte und schlimme Überschwemmungen verursachte, die 500 000 Obdachlose und fast 100 Todesfälle zur Folge hatten.
Auf den Feldern ist die Hirse gut gewachsen und nun findet die Ernte statt. Auch im Norden, wo unsere Viehzüchterfamilien zurzeit noch nomadisieren, ist das Gras gut gewachsen, so dass den Tieren genügend Futter zur Verfügung steht.
Leider hat diese Feuchtigkeit auch das Gedeihen von den Anopheles-Mücken begünstigt und viele Leute sind sowohl in den Städten wie auch in den Busch Camps an Malaria erkrankt.
Dieses Jahr scheint die Resistenz der Parasiten gegen die üblichen Behandlungsmethoden beträchtlich zugenommen zu haben, denn viele Kranke konnten nur im Spital geheilt werden. Leider starben zwei Jugendliche in den Camps bevor sie nach Tahoua transportiert werden konnten.
Sogar Madu, mein Ehemann, musste wegen einem schweren Malaria Anfall mehrere Tage im Spital verbringen. Er bemühte sich aber schnell wieder auf die Füße zu kommen, weil er sich um alle anderen Kranken kümmern muss und unser Auto der einzige „Krankenwagen“ ist, den sie rufen können um sie im Notfall in das Spital zu transportieren.
Neben den vielen Malariaerkrankungen sorgten auch zwei Fälle von Diphtheritis für ein qualvolles Bangen. Eine junge Frau, Leila, konnte man in Tahoua pflegen, aber der Familienvater, Hamada, musste nach Niamey transportiert werden. Beide waren am Sterben als sie das Camp verließen und die Freude der Familie war riesengroß als sie lebend und geheilt zurückkamen.

TAHOUA

Der anfänglich für den 17. September vorgesehene Schulanfang musste auf Ende September verlegt werden, weil die Schulräume an diesem Datum noch von den Leuten belegt waren, die ihre Häuser wegen der Überschwemmungen verlassen mussten.
Wir betreuen zurzeit 10 Jugendliche die zur Schule gehen: Yusuf, der bei der „Mittleren Reife“ erfolgreich war, wird sich in Niamey auf das Abitur vorbereiten. Bila hat es leider nicht geschafft und muss das Schuljahr wiederholen. Er bereitet sich in Begleitung von Albascharette und Adamu, unsere zwei neuen Kandidaten, erneut auf die „Mittlere Reife“ vor.
Bassiru, ein junger Haussa, wohnt seit Jahren bei uns. Er hat die „Mittlere Reife“ bestanden und will nun das Abitur in Angriff nehmen. Er ist ein guter Schüler und wir unterstützen ihn weil seine Eltern zu arm sind um ihm ein Studium zu ermöglichen.
Vier Mädchen, Zeinabu, Leila, Mariama und Fatima, sowie Sofian, der einzige Junge dieser Altersklasse, besuchen noch die Grundschule.
Unsere drei Ältesten, Jamila in Tahoua, sowie Ekam und Mohamed in Niamey, werden vor Ende des Jahres die Nachricht bekommen ob sie an ihren jetzigen Arbeitsplätzen definitiv angestellt werden.

Der Schulanfang kommt uns immer teurer zu stehen, denn die Preise sind in den letzten Jahren in Niger sehr gestiegen. Alle unsere Schüler besuchen eine kostenpflichtige Privatschule. In diesen Schulen bekommen nämlich die Lehrer einen regelmäßigen und anständigen Lohn, was in den staatlichen Schulen, wo wochenlanges Streiken die Schüler benachteiligt, leider nicht der Fall ist.

BAGGA

Allen unseren Patenkindern geht es gut. Die Nomadenfamilien befinden sich noch im Norden und in unserer kleinen Busch Schule wird der Unterricht erst wieder beginnen wenn die Hirse fertig geerntet ist und die Familien in das Tal von Bagga zurückkehren können.

Die Gärten: Zurzeit werden in den Gärten Bohnen und auf den umliegenden Feldern Hirse geerntet. Die Ernte ist gut… leider müssen viele Leute davon leben und diese Reserven werden bald aufgebraucht sein!

Die deutsche Firma LORENTZ Gmbh&Co (24558 Henstedt-Ulzburg) die uns die zwei Solarpumpen die nun leider außer Dienst sind, verkauft hatte, hat uns zwei neue Pumpen als Spende zukommen lassen. Wir sind ihr sehr dankbar für diese großzügige Geste, leider ist noch nicht absehbar wann sie von unseren „Elektrikern ohne Grenzen“ vor Ort installiert werden können, da wegen der Entführungsgefahr in Niger immer noch allen westlichen Ausländern davon abgeraten wird in dieses Gebiet zu reisen.
Die manuell betriebene Vergnet Pumpe, die seit Jahren auf unserer Bohrung installiert ist, bedient nicht nur die Leute von Bagga sondern auch die Einwohner der umliegenden Dörfer tapfer und zuverlässig weiter.

Aus dem Leben der Vereinigung

84 Mitglieder haben den Beitrag 2012 bezahlt. Ein großes Dankeschön an die 81 Mitglieder die uns treu geblieben sind und an die 3 neuen Mitglieder die sich zu ihnen gesellt haben.
Ein besonderes Dankeschön an alle Paten und Patinnen die uns weiter ihr Vertrauen schenken, obwohl sie auch dieses Jahr keine neuen Bilder von ihren Patenkindern bekommen haben.
Dank dem mobilen Telefon das nun fast alle Leute in Niger besitzen, kann ich mich mehrere Male pro Woche erkundigen wie es allen geht, und mein Mann informiert mich sofort über alle wichtigen Ereignisse.
Obwohl sie leider fern von meinen Augen bleiben müssen, sind unsere Familien mehr denn je ganz an der vordersten Stelle in meinen Gedanken und Sorgen!

Ganz liebe Grüße
Danielle Kronenberger-Elhadji





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