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Letzter Brief der Vorsitzenden :
Juni 2014
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36 KO

Liebe Mitglieder, liebe Paten und Patinnen, liebe Sympathisanten

Es gibt nicht viel Neues zu berichten, aber ich will euch trotzdem nicht länger ohne Lebenszeichen lassen.

Die Lage im SAHEL

Sie ist leider nicht sehr erfreulich. Zu den Djihadisten Gruppen AQMI und MUJAO, die von Norden und Westen Nigers Grenzen leicht überschreiten können, kommt jetzt eine neue Terroristengruppe, BOKO HARAM, die an Nigers südlicher Grenze ihr Unwesen treibt.

NIGER

Frankreich und die USA haben mehrere Luftwaffenstützpunkte in Niger installiert, die auch mit Drohnen ausgerüstet sind. Französische und amerikanische Anti-Terror Spezialisten sind ebenfalls vor Ort an der Arbeit.
Es wird weiterhin von Reisen dringend abgeraten . Ausländer dürfen Niamey nur mit einer Militäreskorte verlassen, die leider für mich finanziell unerschwinglich ist!

So blieb mir auch dieses Jahr nichts anderes übrig als meinen jährlichen Aufenthalt, vom 25. März bis 23. April, in Niamey zu verbringen.

Bis Anfang dieses Jahres kamen als Flüchtlinge nur Tuareg aus Nord Mali und aus Libyen ausgewiesene Nigrer. Nun aber strömen ebenfalls Hilfesuchende aus anderen Ländern nach Niger, aus Nigeria, der Zentralafrikanischen Republik, die von vielen Muslimen verlassen wird, und der Demokratischen Republik Kongo, in der seit Jahren ein Krieg wütet, der von unseren Medien total ignoriert wird. Es ist leider zu befürchten dass bald weitere Kriegsgebiete auf dieser Liste Einzug halten werden!

Jamila und Mohamed, unsere ehemaligen Patenkinder, arbeiten in Empfangszentren des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge. Jamila kümmert sich um Flüchtlinge aus Nord Mali, die in der Gegend von Tahoua über die Grenze kommen; Mohamed, der in Niamey bei „Save the children“ arbeitet, ist verantwortlich für den Empfang von Flüchtlingen die aus verschiedenen anderen Ländern ankommen. Er hat keinen leichten Job, denn viele sprechen Sprachen die in Niger nicht gebraucht werden, so dass man sich schlecht mit ihnen verständigen kann. Und oft steht er vor der traurigen Aufgabe, „falsche“ Flüchtlinge abweisen zu müssen, Nigrer, die ebenfalls mittellos sind, aber nicht berechtigt sind, von der Flüchtlingshilfe Unterstützung zu bekommen.

Niameys Schüler und Studenten sind unzufrieden. Viele bekommen ihren Unterricht immer noch in provisorischen Klassenzimmern, meistens Strohhütten. So verbrennen sie nun als Protest die Strohhütten, damit die Regierung endlich ihr Versprechen hält, sie durch feste Gebäude zu ersetzen. Leider kommt es dabei oft zu Straßen Krawallen zwischen den Jugendlichen und der Polizei. Unser Student Yussuf bleibt diesen Kundgebungen lieber fern. Wenn er deswegen keinen Unterricht hat, arbeitet er lieber zuhause weiter.

Niameys Straßenbild hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Eine zweite Brücke wurde von den Chinesen, die nun allgegenwärtig sind, über den Fluss Niger gebaut. Sie ist viel breiter als die alte Kennedy Brücke und wurde „nigero-chinesische Freundschaftsbrücke“ getauft. Moderne Gebäude und Straßenüberführungen geben nun Nigers Hauptstadt endlich den Anblick einer dynamischen Großstadt.

Bald wird auch eine Eisenbahnlinie, die die Nachbarländer Benin und Burkina Faso miteinander verbinden soll, Niamey durchqueren! Sie soll die Kosten für den Transport von Gütern von Benins Hafen Cotonou in die Binnenstaaten Niger und Burkina Faso bedeutend senken.

Die Gegner der Regierung werfen dieser nun vor, viel Geld für Luxusprojekte auszugeben, während die Basis Bedürfnisse vieler Nigrer nicht gedeckt sind.
So sind in Tahoua, wo zur Zeit die Temperatur oft über 42°C steigt, die langen Unterbrechungen in der Wasserversorgung besonders unerträglich, aber der Bau einer größeren, schon lange versprochenen Bohrung, lässt immer noch auf sich warten. Und immer noch hat man keine Lösung gefunden für die ständigen Stromunterbrechungen, die den Einwohnern von Niamey, wie auch der anderen Städten Nigers, das Alltagsleben erschweren.

Im Norden Nigers, in der Gegend von Djado, sind große Goldvorkommnisse entdeckt worden. Die 800 Einwohner des naheliegenden Dorfes hofften dank diesem Fund reich werden zu können, aber bald kamen mehr als 10 000 „Goldgräber“ an, die sich oft für den Kauf eines Geländewagens und geeignetem Werkzeug in Schulden gestürzt haben. Sie kommen nicht nur aus allen Gegenden Nigers und von den Nachbarländern Libyen und Tschad, sondern sogar aus dem Sudan. Nun ist die Empörung der Anwohner groß und Nigers Regierung musste den Zutritt zu dieser Zone streng regulieren. Bis jetzt sind die Einzigen, die tatsächlich in dieser Wüstengegend wegen dem Gold reich geworden sind, die Trinkwasserverkäufer!!! Es bleibt zu hoffen dass die Umwelt nicht jetzt schon schwere Schäden erleiden musste.

TAHOUA und BAGGA

Unsere Schüler bereiten sich auf die Prüfungen für ihren Klassenwechsel vor. Dieses Jahr haben wir keine Anwärter für die Mittlere Reife, aber nächstes Jahr werden wir vielleicht unseren ersten Abiturienten beglückwünschen können, Yussuf, bevor zwei Jahre später Albacharet, Adamu und Bila ebenfalls postulieren werden.

In Bagga hat die Regenzeit begonnen und Madu hat sofort auf unseren Feldern Hirse und in den Gärten grüne Bohnen und Erdnüsse pflanzen lassen. Die Tomaten, Karotten und andere Gemüsesorten, die während der Trockenzeit gedeihen, haben eine gute Ernte ergeben. Im Juni sollten die Mangos gepflückt werden, leider wird es wenige geben. Sie haben sehr unter der seit Anfang März anhaltenden Hitze gelitten und die Wurzeln der Bäume sind von Parasiten befallen, die die ganze Gegend von Tahoua heimsuchen.

Die Nahrung der Tuareg bestand noch vor wenigen Jahren fast ausschließlich aus Hirse und Reis aber nun haben sie es gelernt, ebenfalls Gemüse und Früchte zu essen.
Unsere Ernten können zwar einen Teil der Sippe ernähren, aber sie reichen nicht für den Verkauf auf dem Markt aus, wie es vorgesehen war.

Die Leute von Bagga mussten mit Entsetzen feststellen dass große Teile unserer Vergnet Pumpe über Nacht abmontiert und gestohlen wurden. Sicher wurde das Metall verkauft. Seitdem kann kein Wasser mehr gepumpt werden. Madu wird versuchen in Niamey passende Ersatzteile zu finden.

Seit die Regenzeit begonnen hat, haben die Kinder unserer Buschschule Ferien. Die Nomadenfamilien ziehen wie jedes Jahr in Richtung Norden und die Schule bleibt bis zu ihrer Rückkehr geschlossen. Die Hirse wird bis Ende Oktober geerntet, dann sind die brachliegenden Hirsefelder für die Nomaden wieder zugänglich.

Allen unseren Patenkindern geht es gut!

Die Flüchtlingsfamilien aus Nord Mali wollen nicht mehr in diese Gegend zurückkehren. Sie befürchten einen Krieg zwischen den Rebellen und der Regierung, und die damit anhaltende Unsicherheit. Wir haben für drei Familien je 15 Tiere, Schafe und Ziegen, gekauft. Wir hoffen dass sie damit in absehbarer Zeit beginnen können, selber für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Die Regenzeit ist leider auch Malariazeit ! Wie jedes Jahr müssen viele Nomaden aus den camps nach Tahoua geholt werden um dort Pflege zu erhalten. Dazu kommen viele Darmkrankheiten, da im Busch das Trinkwasser aus unsauberen Wassergräben und Brunnen gezogenen wird. Aber bis jetzt konnte Madu alle unsere Patienten gesund in ihre camps zurückfahren.

Und nun eine erfreuliche Nachricht: unser ehemaliges Patenkind Ekam, der in Tahoua als Verwalter eines Transportunternehmens arbeitet, hat eben eine junge Dame aus seiner Sippe geheiratet.

Mit freundlichen Grüßen!

Danielle Kronenberger-Elhadji


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